„Waldseer Appell“: Wo ein Wille ist, muss auch ein Weg sein

Bad Waldsee. Zehn Unternehmerinnen und Unternehmer haben am Wochenende einen Forderungskatalog an Politik und Gesellschaft erstellt. Darin geht es um Szenarien der Öffnung und um die Sicherheit ihrer Betriebe, um Gerechtigkeit im Handel sowie um pandemiegerechtes Verhalten auch von Kunden. Ihre zehn Kernthesen übergaben sie dem CDU-Landtagsabgeordneten Raimund Haser, der zum Treffen gekommen war.

An vorschriftsmäßig weit auseinandergestellten Stehtischen vor dem 2Rad Center Bad Waldsee diskutierten zehn fröstelnde Macherinnen und Macher aus Bad Waldsee und Umgebung zwei Stunden lang teils hitzig. Dabei wird deutlich, die Zeit drängt sowohl im Dienstleistungsbereich als auch in Handel, Hotellerie und Gastronomie: „Die Lager sind voll, Winterware stapelt sich noch und die Lieferanten scharren bereits mit den Hufen“, formuliert Textilhändlerin Gabriele Schwarz.

Auch die Hilfszahlungen kämen nur zögerlich an, berichten die Anwesenden aus ihren Branchen: „Das Problem ist, wenn man das unbürokratisch und schnell regelt, missbrauchen schwarze Schafe die Hilfsangebote. Wenn man das verhindern möchte, braucht es Bürokratie und Zeit“, erklärt Haser. Er lobte andererseits, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer, trotz mitschwingender Kritik konstruktiv in die Zukunft schauten und vor allem den Dialog suchten. „Eine gute Basis“, wie er darlegte.

In einem Zehn-Punkte-Katalog, den sie im Diskurs als „Waldseer Appell“ formulierten, fordern sie von der Politik einen konkreten „Masterplan“ für das Wann und Wie einer schnellen Öffnung sowie Gerechtigkeit im Handel. „Denn die Prospekte der Discounter werden immer dicker, ihr Non-Food-Sortiment breiter und die dazugehörigen Regale immer leerer“, bringt es Fahrradhändler Rolf Weggenmann auf den Punkt. Ferner müsse die Politik dafür Sorge tragen, dass man auf solche Situationen besser vorbereitet sei. Das beträfe eine Optimierung des Gesundheitssystems, Impfungen und Tests sowie Forschung und Expertise für die Luftreinhaltung von Innenräumen.

Kunden und der Gesellschaft legt der Appell nahe, konsequent alle Regeln einzuhalten und somit lösungsorientiert im Sinne des Gemeinwesens zu leben. Im Übrigen könnten kleinere Geschäfte, Läden und Büros, aber auch Hotels und Gaststätten besser als große Drogerieketten oder Großmärkte für Sicherheit sorgen, auch durch individuell vereinbarte Termine. „Gastgewerbe und Handel können die Gesundheitsämter außerdem bei der Nachverfolgung von Kontakten unterstützen“, so Horst Schmidt vom Hotel-Landgasthof Kreuz in Mattenhaus. Das hätte der vergangene Sommer bereits gezeigt.

Raimund Haser bedankte sich bei den Anwesenden für ihr konstruktives Engagement trotz Frust und Ver-zweiflung. Viele der formulierten Forderungen könne er mittragen: „Ich nehme Ihre Nöte, Sorgen, Forde-rungen und Anregungen gerne mit! Hilfen sind gut und wichtig, aber sie ersetzen keinen Umsatz und erst recht keinen Arbeitsplatz. Man muss trotz aller Unwägbarkeiten der Pandemie auch anerkennen, dass man unter strengen Hygienevorschriften Fahrräder kaufen und Schnitzel essen kann, ohne gleich infiziert zu werden.“ Der Landtagsabgeordnete hält geschäftliche Lockerungen des Lockdowns angesichts sinkender Inzidenz, steigender Impfzahlen und alsbald wärmerer Temperaturen für denkbar. „Öffnungen gehen ja auch nicht von heute auf morgen, die Betriebe brauchen Vorlaufzeit.“ Auf einen konkreten Termin wollte er sich aber nicht festlegen.

https://youtu.be/F_QEPQbNkiA