Wachs oder Öl war hier die Frage

Am vergangenen Samstag, 13. Dezember 2025, fand unser Workshop zum Thema „Wachs oder Öl, wie schmiere ich richtig?“  im 2Radcenter in Bad Waldsee statt – ein spannender und praxisnaher Vormittag rund um die Reinigung und Schmierung des Antriebs am Fahrrad.

Zu Beginn haben wir unseren Teilnehmern gezeigt, wie man alle Teile des Antriebs am Fahrrad entfernt und worauf man achten muss. Das bedeutet, wie man die Kette, Kassette und das Kettenblatt richtig vom Fahrrad abmontiert.

Danach ging es an die korrekte Reinigung des Antriebs, auf diesen Punkt haben wir einen besonderen Schwerpunkt gelegt, da dieser Schritt essenziell für eine gut laufende gewachste Kette ist. Denn wenn ein noch so kleiner Öl Rückstand auf einem gewachsten Antrieb bleibt, kann das Wachs nicht gut bis gar nicht an der Kette haften. Dies würde dann zu einer schlechten Schmierung und einem sehr lauten und schlecht laufenden Antrieb führen, welcher sehr oft neu geschmiert werden muss.

Nachdem alle Teile wieder wie neu aussahen, haben die Teilnehmer unter unserer Anleitung den Antrieb wieder an ihren Fahrrädern montiert.

Ein weiterer Punkt unseres Workshops war ein Brugger-Test, der von den Teilnehmern mitgebrachten Schmierstoffen. Dieser Test wurde uns von Georg Bucher, dem Entwickler der Dynamic Produkte, uns zur Verfügung gestellt.

Der Brugger-Test testet die Belastbarkeit des Schmierstoffes, indem der Schmierstoff auf einen Prüfring aufgetragen wird. Auf diesen Ring wird dann ein Prüfzylinder mit 400N, sprich ca. 40 kg gedrückt. Der Prüfring wird dann über einen Antrieb für 30 Sekunden angedreht und reibt somit auf den Prüfzylinder, wodurch eine Verschleißfläche entsteht.

Anhand der Größe dieser Verschleißfläche kann man viele Fähigkeiten des Schmierstoffes herleiten.

Bei unseren Versuchen kamen sehr unterschiedliche Ergebnisse heraus, zum Beispiel hat ein Kunde das Ultra² von Dynamic mitgebracht, welches mit Abstand die kleinste Verschleißfläche hatte. Dynamic gibt selber für diesen Schmierstoff einen Brugger Wert von 200 N/mm² an.

Ein weiteres Beispiel war das Öl, welches wir in der Werkstatt benutzen, dieses schnitt beim Brugger Test ein bisschen unterdurchschnittlich ab. Dies macht aber Sinn, da wir nicht auf Perfomance ausgelegt sind, sondern die Kette unseren Kunden so lange wie möglich schmieren wollen.

Mit Abstand am schlechtesten schnitten die Wachsprodukte ab, dies war aber unserem Schmiermittelexperten Georg Bucher schon im Voraus klar, da Wachs kein Schmiermittel ist und somit bei diesem Testvorgang mit seinen Fähigkeiten gar nicht punkten kann.

Nachdem alle möglichen Schmierstoffe vom Brugger Test getestet wurden, haben wir die Teilnehmer zu einer offenen Diskussion-mit dem Ziel jedem die zwei Schmierstoffe näher zu bringen-eingeladen.

In dieser Diskussionsrunde kamen wir zum Entschluss, dass es unterschiedliche Gruppen von Fahrer*innen gibt, die unterschiedliche Schmierstoffe bevorzugen.

Einer dieser Gruppen sind typische Rad-Pendler, welche wollen, dass ihr Fahrrad ohne großen Aufwand einfach funktioniert. Für diese Menschen ist ein sehr Langlebiger und ein Korrosionsbeständiger Schmierstoff essenziell. All dies sind Vorteile eines langlebigen Öls. Welches der Pendler einfach ab und zu auf eine gereinigte Kette tröpfeln und danach vergessen kann.

Eine weitere Gruppe sind Hobbyfahrer, welche einen ruhigen, leicht laufenden und wasserbeständigen Antrieb wollen. ABER sich nicht viel um ihren Antrieb kümmern wollen. Für diese Gruppe von Fahrer*innen ist ebenfalls Öl das bessere Schmiermittel. Hier kann man aber gerne zu einem Performance-orientiertem Öl greifen wie zum Beispiel das Ultra² von Dynamic, dieses ist zwar ein bisschen teurer als andere Öle, bietet jedoch eine sehr viel bessere Schmierung des Antriebs.

Die Hobby-/Rennfahrer, welche einen ruhigen, leicht laufenden und super sauberen Antrieb wollen und bereit sind sich um diesen zu kümmern, könnten zu einem Flüssigwachs greifen. Dieses trägt man wie ein Öl auf eine saubere Kette auf und lässt das Wachs über Nacht trocknen. Damit hat man die Sauberkeit eines gewachsten Antriebes muss allerdings nicht die komplette Tortur des heiß wachsen durchgehen.

Die letzte Gruppe sind die Hobby-/Rennfahrer, welche einen leisen, schnellen, verschleißarmen und vor allem super sauberen Antrieb haben wollen. Diese putzten bereits ihren Antrieb sehr oft, um ihre teuren Komponenten besonders lange am Leben zu halten und um einen ästhetischen Antrieb zu haben. Somit sind sie es schon gewöhnt ihren Antrieb oft neu zu reinigen und zu schmieren. Diese Lange Arbeit können sie sich aber mit einem heißgewachsten Antrieb sparen, denn wenn der Antrieb einmal entfettet und gewachst ist, braucht man nur die Kette nach 300 bis 500km neu in das Heißwachs-Bad legen, um weiter mit einem sauberen Antrieb zu fahren. Test wie der aus Australien von Zero Friction Cycling zeigen, dass wenn Dreck in den Antrieb kommt, eine gewachste Kette sehr viel verschleißärmer als eine geölte Kette ist, da das Wachs wie eine Barriere für den Dreck wirkt und somit die Komponenten nicht so schnell verschleißen.

Wer seine Kette selbst wachsen möchte, hat zwei Möglichkeiten, dies zu tun:

  1. Selbst ein Heißwachs-System zu Kaufen, wie zum Beispiel das Waxifyer Set von Dynamic. Wodurch man seine Kette immer neu wachsen kann.
  2. Die andere Version ist, die Heißgewachste Kette im 150 km Intervall mit einem Flüssigwachs nachzuwachsen. Mit dieser Version muss man nicht selbst die Kette entfernen und heißwachsen, hat aber den Vorteil einer heißgewachsten Kette.

Am Ende der Diskussionsrunde hatte jeder Kunde für sich selbst eine Antwort, ob er nun seinen Antrieb wachsen oder ölen möchte.

Damit konnten wir die Teilnehmer mit einem guten Gewissen wieder nach Hause schicken und den Workshop als Erfolg sehen.

Ich selbst gehöre seit diesem Jahr zu der zuletzt genannten Gruppe, denn ich wurde vom Wachs überzeugt. Bevor ich von Wachs gehört habe, habe ich mein Rennrad wöchentlich gründlich gewaschen. Dies bedeutet, dass ich den kompletten Antrieb vom Fahrrad abmontiert, entfettet und neu geschmiert habe. Dies hat mich immer eine gute Stunde des Tags gekostet. Jetzt steige ich nach ungefähr 350 km vom Rad, wische die Kette kurz mit einem Mikrofasertuch ab und demontiere sie. In der Zeit, in der ich unter der Dusche stehe, liegt die Kette im Heißwachs-Bad und wird von mir, sobald ich fertig bin, getrocknet und wieder aufs Rad montiert. Durch das Wachs habe ich einen leiseren und sehr viel sauberen Antrieb für sehr viel weniger Arbeit.

Das einzige Manko an einer gewachsten Kette ist, dass sobald ich durch Regen gefahren bin oder die Kette anders an sehr viel Feuchtigkeit geraten ist, die Kette neuwachsen muss, da sonst sehr schnell Flugrost an die Kette kommt.

Am Ende möchte ich noch ein Danke an unsere Teilnehmer richten, die immer motiviert und wissbegierig mitgemacht haben.

Ein weitere Danke geht an Georg Bucher, der sich für uns Zeit genommen hat und uns den spannenden Brugger-Test gezeigt und zur Verfügung gestellt hat.

Und das letzte Danke geht an Sie, da Sie diesen Post gelesen haben.

Und damit wünsche ich Ihnen noch ein schönes Fest und ein gutes Neues Jahr.

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